Kolloqium 2010
„Europa und die Globalisierung –Kann ein Bedeutungsverlust der Europäischen Union aufgehalten werden?“
Kolloquium zu Ehren des scheidenden Präsidenten des Internationalen Clubs La Redoute, Botschafter a. D. Dr. Wiegand Pabsch, am 21.10.2010 in der Redoute
Festlich erleuchtete Räume in der Redoute, weit geöffnete Türen zwischen Beethoven- und -Garten-Saal. dort Groß-Leinwände und Video-Übertragung, in beiden Sälen über 400 Mitglieder und Gäste, Blitzlicht und Fotografen, – in der Tat ein in vieler Hinsicht besonderer Abend in der Geschichte des Internationalen Clubs La Redoute. Anlass war die Verabschiedung seines langjährigen Präsidenten, Botschafter a. D. Dr. Dr. h. c. Wiegand Pabsch. Er war es, der den Club nach dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin in den letzten 12 Jahren für die Vertreter der Wirtschaft sowie von Lehre und Forschung geöffnet und in eine neue Zukunft geführt hat. Es war eine Verabschiedung ganz nach dem Geschmack des Jubilars: Kein Streichquartett im Kerzenschein, stattdessen ein Kolloquium mit dem Scheinwerferlicht auf die Zukunft Europas.
Der neue Präsident des Clubs, Prof. Gerd Langguth, würdigte in seiner Einleitung mit einfühlsamen Dankesworten die großen Verdienste seines Vorgängers. Dann setzte er mit drei Thesen den Ton für das anschließende Kolloquium, nämlich
- die Erweiterung der EU auf 27 Mitgliedstaaten wirke einer größeren Kohärenz ihrer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik entgegen;
- die Folgen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise werde die EU nur überwinden, wenn sie ihre Vertiefung erweitern und die Erweiterung vertiefen werde; dabei würde ein Beitritt der Türkei die EU überspannen;
- der schwindenden Akzeptanz der EU müsse man entgegenwirken und die Bürger auf jedem weiteren Integrationsschritt nach Europa „mitnehmen“.
Die Diskutanten auf dem Podium nahmen diesen Faden auf.Dr. Hans-Werner Lautenschlager, langjähriger früherer Staatssekretär im Auswärtigen Amt, sah die Zukunft der Europäischen Union eher auf dem Weg der weiteren Vergemeinschaftung der Handels- und Wirtschaftspolitik als bei der Fortentwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Europäische Sicherheitsinteressen seien in der NATO gut aufgehoben.
Die frühere EU-Kommissarin Dr. Monika Wulf-Matthies machte die Medien für das schlechte Erscheinungsbild der EU mitverantwortlich: für Erfolge lasse man nationale Akteure die Vaterschaft reklamieren; Misserfolge und unangenehme Botschaften würden Richtung Brüssel geschoben.
Prof. Dr. Xuewu Gu von der Universität Bonn brachte seine Antwort auf die Leitfrage des Abends auf die einprägsame Formel: „China ist aufgestiegen – Europa ist nicht abgestiegen.“ In der aktuellen Diskussion über die deutsche Zuwanderungspolitik riet er zu mehr Pragmatismus und weniger Selbstlosigkeit. Deutschland möge die klugen Köpfe, die aus Asien zum Studium in unser Land kämen, zum Bleiben einladen und ihnen hier eine berufliche Zukunft eröffnen.
Zum Abschluss des Abends zeichnete Klaus Kinkel, in den Jahren 1992 bis 1998 Bundesaußenminister und letzter Dienstherr des Jubilars, in seiner Laudatio dessen Lebensweg nach. Er stützte sich dabei auf dessen Autobiographie sowie auf persönlich Erlebtes und gemeinsame Erfahrungen. Mit einer warmherzigen Mischung aus Humor und Selbstironie brachte er seine Wertschätzung und seinen Dank zum Ausdruck, wofür er viel Beifall erntete.
Präsident Langguth ehrte sodann den scheidenden Präsidenten des Clubs mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft und mit diversen Memorabilien.
Dr. Pabsch seinerseits nutzte seine Dankesrede zu einem bewegenden Rückblick auf seine Jugend, seine berufliche Karriere, sein erfolgreiches Wirken für den Club und zum Dank an seine Familie.
Beim anschließenden Vin d’Honneur brachten viele der Mitglieder und Gäste ihren ganz persönlichen Dank gegenüber dem scheidenden Präsidenten Botschafter a. d. Dr. Dr. h. c. Wiegand Pabsch und seiner Frau für ihre Verdienste um den Club zum Ausdruck mit der Hoffnung, dass beide dem Club auch weiterhin eng verbunden bleiben werden. Eberhard Kölsch

