Die Geschichte des Internationalen Clubs La Redoute

 

Die Vorgeschichte
Die Geschichte des Clubs ist eng mit der Redoute verbunden. Nach Kriegsende wurde dort im Mai 1945 ein britischer Offiziersclub eröffnet. Hitlers Oberkellner aus dem Hotel Dreesen, Muster eines viktorianischen Butlers, unterhielt die Gäste mit Anekdoten; hungrige Deutsche musizierten, um sich ein Abendbrot zu verdienen; einer starb über Bruchs Violinkonzert. 1946 wurde die Redoute belgischer Offiziersclub. Als im September 1949 die Alliierte Hohe Kommission in Bonn ihre Tätigkeit aufnahm, zog der britisch-amerikanische Klub „Cloverleaf“ in die Redoute ein; ab 1950 nutzten sie die Franzosen als Club, Diplomaten anderer Länder konnten beitreten, nicht aber Deutsche. Ein Mitglied erinnert sich: „The British period was marked by poverty and a strange sad tranquility; the Belgian by a superfluity of food and drink and an ever increasing vivacity; the French by the more selective, unobtrusive delicacy that had now become possible.” Als die Franzosen den Club 1952 schließen wollten, ergriffen einige Mitglieder die Initiative zur Gründung eines Diplomatenclubs. Die Lage war günstig, da Diplomatisches Corps wie Bundesregierung einen Begegnungsort für Ausländer und Deutsche in der Bundeshauptstadt für notwendig hielten. Die Bundesregierung übernahm die Miete und einen Teil der Betriebskosten; im Gegenzug erhielt sie Priorität bei der Nutzung der Räume. Die Stadt Bad Godesberg fürchtete zunächst, die Bundesregierung wolle ihr das Kleinod wegnehmen, wurde schließlich aber überzeugt, dass ein Diplomatenclub in der Redoute das Prestige der Stadt heben würde. Man kam überein, dass das Diplomatische Corps und deutsche Behörden den Club gemeinsam tragen sollten. Am 23. Juni 1953 fand die konstituierende Sitzung statt.
 
Der Internationale Club La Redoute

Der heutige Club betrachtet den 23. Juni 1953 als Gründungstag. Die Redoute wurde von der Stadt Bad Godesberg übernommen, die sie für den Club verfügbar machte. Am 15. September 1953 wurde der Internationale Club Bad Godesberg feierlich eröffnet. Der erfahrene Diplomat André François-Poncet (1887-1978) wurde zum Präsidenten gewählt; als Botschafter bei der Reichsregierung in Berlin (1931-38) und Hoher Kommissar Frankreichs in Bonn sah er es als Aufgabe an, kriegsbedingte Ressentiments zu überwinden und den Club in ein normales friedenszeitliches Leben zu führen. Dieser kultivierte Mann von europäischem Rang, der im gleichen Jahr in die Académie française aufgenommen wurde, prägte den Club in den ersten Jahren entscheidend.

 

Dem General Committee, zur Hälfte Diplomaten, gehörten der Chef des Bundespräsidialamts, der Protokollchef, 5 Staatssekretäre und 5 hohe Beamte des Auswärtigen Amts an – Zeichen der Bedeutung, die die Bundesregierung dem Club beimaß. Bundespräsident Heuss wurde Schirmherr, Bundeskanzler Adenauer Ehrenpräsident. Ein Executive Committee leitete den Club. In erster Zeit war die Empfindlichkeit der Deutschen noch stark; es erregte Unmut, daß ein Brite Clubsekretär wurde; da das Tragen von Orden für Deutsche noch ungeklärt war, forderten einige, es im Club auch Ausländern zu verbieten. Das Restaurant wurde wenig genutzt, die Gründung eines Damenkomitees und Tanzabende für die Jugend waren Fehlschläge. Die Mitgliederzahl sank von 615 auf 400; der Presseclub und die Parlamentarische Gesellschaft in Bonn zogen zunehmend Interesse auf sich. 1955 wurde die Auflösung des Clubs erwogen. Einige Mitglieder fanden das kulinarische Angebot unzureichend, andere lehnten es ab, mit ihren Beiträgen ein Gästehaus der Bundesregierung oder Empfänge der Missionschefs in der Redoute mitzufinanzieren – Argumente, die den Club lange begleiteten. Nach Übernahme der Gastronomie durch das Hotel Königshof wurde das Angebot besser; die Auflösung wurde nicht weiter verfolgt.

 

1957 änderte sich die Lage tiefgreifend. Mit Hilfe von Außenminister von Brentano wurde der Fortbestand des Clubs finanziell gesichert; er nahm den Betrieb der Redoute in Eigenregie. Sie war Schauplatz großer Ereignisse, wie der ersten EWG-Gipfelkonferenz mit de Gaulle; Bundespräsident, Bundesregierung und Botschafter gaben dort Empfänge. 1961 beschloss die Mitgliederversammlung, Präsidium (General Committee) und Vorstand (Executive Committee) personell zu trennen. Clubpräsident war stets ein Botschafter, die Präsidiumsmitglieder waren zur Hälfte Ausländer und Deutsche. Vorsitzender des Vorstands wurde Prof. Arntz, Graf Széchenyi Clubsekretär. Es begann eine erfolgreiche Zeit; der Club bot ein buntes Programm: Vorträge des Germanisten v. Wiese, des Historikers Braubach, von Otto v. Habsburg und Rudolf Augstein. Oberst Podhajsky (Wien) zeigte Bilder seiner Lipizzaner, Wilhelm Tiedemann Filme über sein Reiterleben. Beliebt waren Besuche in Villa Hügel, Industriebetrieben und Sektkellereien. Botschafter Seydoux de Clausonne wurde mit einem Galadîner verabschiedet. Mit Spenden förderte der Club soziale und kulturelle Projekte. Die auf 200 gesunkene Mitgliederzahl stieg wieder.

 

1972 wurde die Sanierung der 180-jährigen Redoute nötig. Der Club zog aus und liquidierte die überschuldete Betriebsgesellschaft. Ihr Konkurs traf ihn voll, da er für ihre Verpflichtungen gegenüber der Stadt haftete. In dieser kritischen Phase wurde Graf Buquoy Vorstandsvorsitzender, Horst Eulenstein Schatzmeister; sie konnten die Stadt zur Kürzung ihrer Forderungen bewegen. Die meisten Mitglieder blieben dem Club in dieser schwierigen Zeit treu. Nach Eingemeindung von Bad Godesberg in Bonn änderte der Club 1973 seinen Namen in „Internationaler Club La Redoute Bonn-Bad Godesberg. Veranstaltungen fanden im Hotel Dreesen statt. Auch im Exil hielt der Club sein Programm unverändert durch: Vorträge, Filmabende, Ausstellungsbesuche, Konzerte, Bälle, Autorallyes, Ausflüge, eine Reise nach Österreich, eine Gemäldeausstellung und ein Wohltätigkeitsfest zugunsten der Deutschen Krebshilfe in Gegenwart des Bundespräsidenten. Im Juni 1976 kehrte der Club in die Redoute zurück;. sie wurde wieder zum „politischen, diplomatischen und gesellschaftlichen Kristallisationspunkt der Bundeshauptstadt“ (OB Daniels). Doch war der Club nicht mehr ihr Hausherr, obwohl weiter Hauptnutzer; sie wurde an die Günnewig-Hotelbetriebe verpachtet. Da damit die Kosten für Veranstaltungen stiegen, fanden diese oft bei INTER NATIONES statt.

 

1978 feierte der Club das 25-jährige Jubiläum mit Reden des Bundesministers Genscher und des Präsidenten Gelzer (Schweiz). In den Jahren 1978-81 sprachen u. a. Bundesminister a. D. Höcherl, Ministerpräsident Vogel, US-Botschafter Stoessel, BDI-Hauptgeschäftsführer Mann, der frühere EWG-Kommissionspräsident Rey und die Botschafter von China, Neuseeland und Südafrika. Als der Dalai Lama 1982 Bonn besuchte, veranstaltete der Club ihm zu Ehren eine Akademische Feier. In der Vertretung Bayerns fand zugunsten der Multiple-Sklerose-Gesellschaft ein Festessen mit Frau Carstens, Gattin des Bundespräsidenten, statt, das vom Club kochender Männer zubereitet wurde. Von Graf Széchenyi organisierte Fahrten gaben dem Clubleben Impulse und förderten die Verbundenheit der Mitglieder; sie führten nach Straßburg zum Europarat, Luxemburg, Wien und Brüssel mit Vorträgen bei EG und NATO; fast alle Bundesländer wurden besucht In dieser Zeit erlebte der Club eine neue Finanzkrise. Das Auswärtige Amt kürzte den Zuschuss, Steuern waren nachzuzahlen, Gehälter, Sozialabgaben und Veranstaltungskosten stiegen. Eine Beitragserhöhung konnte die Mehrkosten nicht auffangen. Schatzmeister Eulenstein konnte in Verhandlungen mit der Stadt die Miete senken und der Mitgliederversammlung 1985 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. 1985 starb Graf Széchenyi, Der Club verlor mit ihm, der fast 25 Jahre sein Generalsekretär war, eine in seiner rauen, herzlichen Art unverwechselbare Persönlichkeit voll Elan und Humor. Generalkonsul a. D. von Siegfried wurde neuer Generalsekretär.

 

Aus den nächsten Jahren sind erwähnenswert Vorträge von Botschafter a. D. Herbst („Frankreich – Nachbar, Verbündeter, Freund“), des Leiters des Planungsstabs im BMVg Rühle („SDI“), des Botschafters Graf Ferraris („Gibt es ein Modell Italien?“) und des Staatssekretärs Meyer-Landrut (AA). Der scheidende Clubpräsident Botschafter Morizet (Frankreich) erwies sich mit „Réflections sur un dernier départ“ als brillanter Deutschlandkenner. Die in Europa sich abzeichnenden Veränderungen waren Themen der Botschafter Bullard (GB) und Horváth (Ungarn), des Ostexperten Thomas („Gorbatschows UdSSR“), des Bundesministers Schäuble und des GenLt von Sandrart („Kollektive Verteidigung in Mitteleuropa“). Ausstellungsbesuche („Ornamenta Ecclesiae“ und „Osmanische Kunst und Kultur“) und Konzerte, darunter eines des von Botschafter Meisch (Luxemburg) organisierten „Orchesters Internationaler Club“ in Gegenwart des Bundespräsidenten zugunsten drogengefährdeter Jugendlicher mit 400 Teilnehmern, Reisen nach Berlin und zum Europäischen Parlament und zur Europäischen Investitionsbank in Luxemburg rundeten das Programm ab.

 

1987 war der Club schuldenfrei; doch drohte neues Unheil: Das Finanzamt entzog ihm die Gemeinnützigkeit; mit Hilfe des Auswärtigen Amts gelang es, sie zurückzuerhalten. Der Auflage, der Club möge sich nach außen öffnen, wurde durch gemeinsame Veranstaltungen mit anderen Vereinen Rechnung getragen. In den Folgejahren sprachen u. a. DRK-Präsident Prinz Sayn-Wittgenstein, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Prof. Knopp („750 Jahre Berlin“), StS Schlecht („Aktuelle Fragen der Wirtschaftspolitik“), Kanzlerberater Teltschik, der ehem. Vizepräsident der EG-Kommission Narjes, der Politologe Leonhard, Tietmeyer (Bundesbank), Generalinspekteur Wellershoff (BMVg) und Forschungsminister Riesenhuber. Die Botschafter von Spanien, Finnland, Ungarn, Saudi-Arabien, Malta, Pakistan, Japan und China stellten ihre Länder vor. Es wurden die Ausstellungen „Prag um 1600", „Unabhängige Kunst in Europa um 1937", „1000 Jahre russische Kunst“ und „Bilderstreit“ besucht. Unter Schirmherrschaft von Minister Genscher und Sowjetbotschafter Kwizinskij konzertierten Natalja Prischepenko (Violine) und Victor Moser (Klavier). Preisträger des Deutschen Musikrats traten in der Redoute auf. Der Club besuchte die Lufthansa-Basis in Frankfurt, die EG-Kommission in Brüssel und den Europarat in Straßburg. In Nachfolge von Botschafter Boatti Osorio (Argentinien) wurde Botschafter Meisch Clubpräsident.

 

In den Jahren 1991-92 boten die Veränderungen nach der Wiedervereinigung Stoff für Vorträge. Es sprachen u. a. BND-Präsident Hellenbroich, Staatsminister Schäfer, der Leiter des Planungsstabs Seitz und Staatssekretär Kastrup (alle AA), Pfarrer Schorlemmer ("Aufgaben nach einem Jahr Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion", der Treuhand-Verwaltungsratsvorsitzende Odewald („die Wirtschaft in den neuen Bundesländern“), Otto v. Habsburg und Umweltminister Töpfer. Die Botschafter Spaniens und Großbritanniens referierten über Probleme ihrer Länder. Aus dem Kulturprogramm sind Konzerte des Baritons Bragason, der jungen Natascha Steuer im Zusammenwirken mit der Russisch-Orthodoxen Kirchenstiftung, des Clubpräsidenten Meisch mit Guido Schiefen (Cello) und ein Theaterabend mit Bill Mockridge zu erwähnen. Besichtigungsreisen führten nach Berlin, Potsdam, Dresden, Amsterdam und Prag, zu zahlreichen Ausstellungen, zum Flughafen in Frankfurt und den Bayer-Werken in Leverkusen. In der Mitgliederversammlung berichtete Vorstandsmitglied Brenner über eine Mitgliederumfrage zum Programm; 69% votierten für Musikveranstaltungen, 72% für Besichtigungen und Reisen, 95% für Vorträge. Als Themen bevorzugten 84% Politik, 76% Kunst und Kultur, 70% Geschichte und 67% Wirtschaft. Die Umfrage ermutigte den Vorstand, den bisherigen Weg fortzusetzen.

 

Schon 1991 hatte der Bundestag den Umzug des Bundes in die neue Hauptstadt Berlin beschlossen. Die 40-Jahrfeier des Club am 23. Juni 1993 in Gegenwart des Bundespräsidenten wurde so zugleich zum glanzvollen Schlusspunkt des Diplomatenclubs der Bundeshauptstadt. Staatsminister Schäfer (AA), Oberbürgermeister Daniels und Clubpräsident Meisch hielten Festreden. Am Festakt nahmen 400 Personen teil; er wurde vom Avalon-Bläserquintett umrahmt; eine Festschrift hielt die Fülle der Aktivitäten und Anregungen fest, die der Club über 4 Jahrzehnte seinen Mitgliedern geboten hatte. Ein Botschafter sagte: „Der Internationale Club ist eine großartige Einrichtung. Er ist für neu ankommende Diplomaten eine erste Heimat. Hier treffen sie Kollegen anderer Länder und Deutsche verschiedener Lebenskreise und fühlen sich nicht mehr ganz so fremd“. Doch ging das Clubleben zunächst unverändert weiter. In den Jahren 1994-95 sprachen Minister Galuska (ČSR), die Botschafter Indiens, Sloweniens und Südafrikas, Bundesminister Stoltenberg, der Parl. StS Repnik (BMZ), Generalinspekteur Naumann (Bundeswehr) und der frühere Botschafter in Moskau Blech. Die neue Oberbürgermeisterin Dieckmann referierte über Bonns Zukunft nach dem Bundesumzug, die Verkehrsminister der Schweiz und Deutschlands Ogi und Wissmann diskutierten über den transalpinen Verkehr. Ausstellungsbesuche („Stefan Lochner“, „Welt der Maya“ und „Paris - Belle Epoque“), Reisen nach London und Madrid, 2 Konzerte und der jährliche Ball ergänzten das Programm. Der Tod von Graf Buquoy im April 1995 war ein herber Verlust; er hatte den Club 23 Jahre geleitet und große Verdienste erworben. Nachfolger wurde Klaus Brenner. Oberbürgermeisterin Dieckmann und Schatzmeister Eulenstein traten ins Präsidium ein. Die Jahre 1996-97 brachten u. a. Vorträge der StS von Ploetz (AA), Schönbohm (BMVg), des damaligen StS Horst Köhler (BMF), des ostdeutschen Abgeordneten Eppelmann, des ehem. DDR-Ministerpräsidenten de Maizière, der Botschafter Ungarns, Islands und Marokkos und die Leiter der nach Bonn umgezogenen UN-Büros McSweeney und Cutajar sowie 3 Konzerte. Generalsekretär von Siegfried legte sein Amt nach 12-jähriger Tätigkeit nieder, Graf Matuschka übernahm seine Aufgabe.

 

Im Juli 1998 zog der Bundestag nach Berlin, die Regierung, Landesvertretungen, Botschaften, Verbände und Repräsentanzen leiteten den Umzug ein; bald würden alle Diplomaten und viele Mitglieder den Club verlassen. In der Mitgliederversammlung ging Vorstandsvorsitzender Brenner ausführlich auf alle Optionen ein. Ein Umzug nach Berlin wurde wie die Schaffung einer Sektion Berlin verworfen, da es dort einen Internationalen Club gab, dem bereits viele Botschafter angehörten. Da die große Mehrheit der Mitglieder in Bonn bleiben würde, beschloss die Mitgliederversammlung, den Club am Gründungsort fortzuführen. Bonn begann, sich auf eine neue Zukunft einzurichten. Dies bedeutete für den Club, sich Bonns Zukunftsaufgaben zu stellen und sie nach seinem Vermögen mitzugestalten. Das Jahr verlief noch unbeeinträchtigt von den Veränderungen. Der Club bot Vorträge zu Themen wie „Beutekunst“ (Witte), „Deutschland in der Krise“ (van Scherpenberg), „Wähler und Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl“ (Prof. Veen), „Kunstfälschungen“ (Prof. Ronte), „Weniger Staat – aber wie?“ (Prof. Scholz MdB), „Europa – quo vadis?“ (Bitterlich), „Islam in Deutschland“ (Mohammad Hobohm) und Vorträge der Botschafter Sri Lankas, Indiens und Maltas. In der Deutschen Telekom sprachen die Herren Arnold und Hultzsch über Medien und Internet. Ausstellungsbesuche, Konzerte, eine Reise nach Malta und ein Ball rundeten das Programm ab.
 
Der Club nach Wegzug des Bundes (1999 – 2003)
Auch nach Wegzug des Bundes behält Bonn als Geburtsstadt Beethovens, Bundesstadt und Sitz von 6 Bundesministerien, oberster Bundesbehörden, der Deutschen Telekom, der Deutschen Post, der Deutschen Welle, der Universität, der Stiftung CAESAR, nationaler Wissenschaftseinrichtungen und mittelständischer Unternehmen einen besonderen Rang. Ihre in der Hauptstadtzeit gewachsene Internationalität setzt sich fort in internationalen Aktivitäten ihrer Unternehmen und der hier ansässigen UN-Büros. Dies bietet dem Club gute Möglichkeiten, seinen Gründungsauftrag, Begegnungsort für Ausländer und Deutsche zu sein, weiter zu erfüllen. In der Mitgliederversammlung 1999 legte Vorstandsvorsitzender Brenner eine neue Satzung vor, mit der der Grund für die künftige Ausrichtung des Clubs gelegt wurde. Da alle Botschafter wegziehen würden, war es nicht sinnvoll, das Präsidium in alter Form beizubehalten; ein Präsidium aus aktiven Mitgliedern sollte den Club leiten; an die Stelle des alten Präsidiums sollte ein Beirat aus führenden Personen des „neuen“ Bonn treten; der Zusatz „Bad Godesberg“ im Clubnamen wurde gestrichen. Die neue Satzung wurde einstimmig angenommen. Herr Brenner, der den Club über 4 Jahre leitete, legte sein Amt wegen häufiger beruflicher Abwesenheit von Bonn nieder, Botschafter a.D. Dr. Pabsch wurde noch nach der alten Satzung zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Er erklärte, der Club müsse sich nun für Angehörige der Großunternehmen, der alten und neu nach Bonn umziehenden Bundesbehörden und der UN-Büros sowie mittelständische Unternehmer und Bürger aus freien Berufen und dem kulturellen und akademischen Leben der Region Bonn/Rhein-Sieg stärker öffnen.

Mit Inkrafttreten der Satzung wurde der Vorstand in das neue Präsidium umgewandelt. Dr. Pabsch wurde Präsident, Klaus Brenner und Michael Swoboda, Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn-Rhein-Sieg, Vizepräsidenten, Bankdirektor von Blomberg Schatzmeister. Da Graf Matuschka vorübergehend Bonn verließ, trat Botschafter a.D. Dr. Buerstedde die Nachfolge an. Der letzte Clubpräsident des Diplomatischen Corps, Botschafter Struye de Swielande (Belgien), wurde nach Berlin verabschiedet.. Das neue Präsidium gewann Ministerpräsident Clement (NRW) für die Ehrenpräsidentschaft, die bisher der Außenminister inne hatte; dies schien angemessen, da der Club seine Rolle am Sitz der Bundesregierung verloren hatte und ein Bonner Club geworden war. Das alte Präsidium wurde zum Beirat umgebildet Dr. Hultzsch, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, übernahm den Vorsitz. Die Bonner Oberbürgermeisterin Dieckmann und der StS des AA gehören ihm ex officio an, führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur traten in den Beirat ein, dessen Zusammensetzung die neue Ausrichtung des Clubs widerspiegelt.

 

1999 bot der Club 33 Veranstaltungen: 19 Vorträge, 3 Konzerte, 7 Ausstellungsbesuche, eine Reise nach Polen, eine Fahrt zu Sektkellereien und den Herbstball. Höhepunkte waren Vorträge des früheren Clubpräsidenten Botschafter Graf Ferraris, des Japanischen Botschafters, des Präsidenten des Deutschen Aktieninstituts v. Rosen, des Generals Naumann, des CSU-Generalsekretärs Goppel und des Astronauten Merboldt. Der Club nahm die Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer, dem Universitätsclub, der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, dem Club der Luftfahrt, dem Ibero-Club, der Internationalen Föderalismus-Akademie auf und führt seitdem mit ihnen gemeinsame Veranstaltungen durch. Der Vortragssaal des von dem renommierten Architekten Ungers erbauten Universitätsclubs ermöglicht es, Clubveranstaltungen in der Bonner Innenstadt durchzuführen, wenn die Säle der Redoute nicht verfügbar sind.

 

Auch das Milleniumsjahr 2000 brachte Höhepunkte. Ministerpräsident Clement, EU-Kommissar Monti, Fraktionsvorsitzender Merz (CDU/CSU), Generalstabschef Sir Charles Guthrie (GB) und Botschafter a.D. v. Kyaw behandelten europapolitische Themen, Ministerpräsident Biedenkopf Reformen der Sozialsysteme, Bundesbankpräsident a.D. Tietmeyer die Zukunft der internationalen Finanzinstitutionen. Dr. Hultzsch und der Chef von T-Mobil Obermann sprachen über Themen der Telekommunikation, die Prof. Barthlott (Lotus-Effekt), Elger (Hirnforschung), Hoffmann (CAESAR) und Honnefelder (Ethische Probleme der Genforschung) über aktuelle Wissenschaftsfragen. Dazu kamen 7 weitere Vorträge, 4 Konzerte, Ausstellungsbesuche in Maastricht, Den Haag und Amsterdam, ein Besuch beim Reitturnier Aachen, eine Rhodos-Reise und der Herbstball. Werner Ungerer unterhielt den Club bei einer Matinée mit der selbst komponierten „Bonn-Suite“. Bei der Mitgliederversammlung stellte Präsident Dr. Pabsch fest, der Club habe seine Zukunftsfähigkeit erwiesen. Die Öffentlichkeit nehme ihn zunehmend wahr, die Öffnung für neue Zielgruppen verlaufe ermutigend. Die Mitgliederzahl (vor dem Berlin-Umzug 350) stieg trotz 50 umzugsbedingter Austritte auf 530; Dr. Pabsch appellierte an die langjährigen Mitglieder, darin nicht einen Verlust an Intimität zu sehen; nur ein Club mit genügend großer Mitgliederzahl, die eine ansehnliche Präsenz bei Veranstaltungen gewährleiste, ziehe erstrangige Redner und Künstler an; auch müsse sich der Club verjüngen. Bei dem raschen Wachsen des Clubs müssten alle sich bemühen, Neumitglieder rasch zu integrieren. Die gewachsenen Aktivitäten erforderten ein zunehmendes Engagement von Präsidium und Beirat; zwei jüngere Mitglieder, Dorika Seib und Ludwig Acker, traten ins Präsidium ein. Das Sekretariat wurde durch den stellv. Generalsekretär Rolf Scholz verstärkt und mit neuen Möbeln und einer ISDN-Anlage zur elektronischen Datenkommunikation ausgestattet. Der Schatzmeister wies darauf hin, dass steigende Aktivitäten auch höhere finanzielle Aufwendungen erforderten, Das Präsidium bemühe sich um Unternehmensmitgliedschaften und projektbezogene Spenden, doch sei eine Beitragsanhebung unausweichlich. Die Versammlung beschloß daraufhin eine Erhöhung.

 

Mit Hilfe des Beiratsvorsitzenden Hultzsch und des Vizepräsidenten Swoboda rief das Präsidium 2000 für Führungskräfte der Wirtschaft des Bonner Raums einen Wirtschaftskreis ins Leben. Er trifft sich monatlich in der Redoute bei einem Mittagessen mit einem Gastredner zur Erörterung allgemeiner Wirtschaftsthemen und solcher der Region Bonn-Rhein-Sieg. Er wird regelmäßig von 20-30 Mitgliedern besucht und bildet ein Netzwerk für Begegnung und Zusammenarbeit der Unternehmer der Region. 2001 wurde der International Round Table gegründet Er bietet Angehörigen der UN-Dienststellen, der noch verbliebenen Botschaften und Konsulate, der Deutschen Welle, in Bonn lebenden Ausländern und außenpolitisch interessierten Mitgliedern Kurzvorträge mit Diskussion über internationale Fragen vornehmlich aus dem Bereich der Nord-Süd-Thematik und trifft sich wie der Wirtschaftskreis einmal im Monat zum Mittagessen; die Mitgliedschaft im Club ist nicht Voraussetzung einer Teilnahme an beiden Gesprächskreisen.

 

Im Jahr 2001 standen unter 35 Veranstaltungen Vorträge (20) im Vordergrund. StS Ischinger (AA) und Bertram (SWP) sprachen über die deutsche Außenpolitik; FDP-Politiker Westerwelle, Botschafter Schönfelder (EU) und Gen. Schuwirth (EU-Ratssekretariat) über Fragen der Europapolitik Eine Ungarn-Reise vermittelte vertiefte Kenntnisse der Probleme der EU-Erweiterung. Botschafter Lever (GB), der Vorsitzende des Auswärtigen Bundestags-Ausschusses Klose, der frühere US-Botschafter Burt und Prof. Nau, Washington, behandelten das transatlantische Verhältnis, Prof. Ménudier (Paris) deutsch-französischen, Botschafter Krylow die deutsch-russischen Beziehungen, Botschafter Skármeta sprach über Chile. Weitere Höhepunkte waren Vorträge von Prof. Paul Kirchhof („Ehe und Familie im Grundgesetz“), Gen.Inspekteur Kujat („Zukunft der Bundeswehr“), Daimler-Vorstand Cordes, Prof. Kiesow (Stiftung Denkmalschutz) und Prof. zur Hausen (Dt. Krebsforschungszentrum). Prof. Steinbach und der ehem. Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz Frisch behandelten Probleme des Zusammenlebens mit dem Islam. Eine Marokko-Reise brachte eine Begegnung mit einem islamischen Land. Der Pianist Perl, das Orsolino-Quintett und das London Fortepiano Trio gaben Konzerte; mit letzterem beteiligte sich der Club erstmalig am Internationalen Beethovenfest. Präsidiumsmitglied Frau von Ondarza organisierte Besuche der Kirche St. Pantaleon in Köln, der European Fine Art Fair in Maastricht und der Ausstellungen „Turner“ und „7000 Jahre Persische Kunst“. Eine Klavier-Matinée des früheren Clubpräsidenten Meisch weckte Erinnerungen an frühere Jahre Den Herbstball erlebten 200 Mitglieder und Gäste als schwungvolles Fest; der Reingewinn wurde der Andheri-Hilfe für Slumkinder in Indien gespendet.

 

Im Jahr 2002 sprachen Ministerpräsident Vogel („Das wiedervereinigte Deutschland in Europa und der Welt“), Peter Glotz (EU-Verfassung), Bahnchef Mehdorn, Telekom-Vorstand Ricke (Mobile Kommunikation und mobiles Internet, Vorstandsmitglied Lamberti (Deutsche Bank), der Leiter des Instituts „Wirtschaft und Gesellschaft“ Prof. Miegel („Die Lebenswelt der Deutschen“) und Ministerin Behler (NRW) über die PISA–Studie. Botschafter a.D. Bertele und Hanan Bar-On ( Weizmann-Institut Israel) behandelten den Nahost-Konflikt, Barthold Witte Erscheinungsformen des Islam. Prof. Popp (Forschungszentrum Karlsruhe) und Astronaut Thiele sprachen über die Zukunft der Kernenergie bzw. der Raumfahrt, Frau Dr. Woopen, Mitglied im Nationalen Ethikrat, über Fragen der reproduktiven Medizin. Besuche im ICE-Prüfzentrum und im Europäischen Astronautenzentrum, Ausstellungsbesuche in Bamberg, Bochum, Düsseldorf, Essen, Groningen, Köln und Maastricht und Konzerte des Collegium Vocale Salzburg im Rahmen des Beethovenfestes und des Fassbender-Trios ergänzten das Programm. Eine Reise nach Namibia, eine Matinée mit Brunch, inzwischen fester Bestandteil des Clublebens, eine Wanderung im Siebengebirge und der Herbstball förderten das Zusammenwachsen der beträchtlich veränderten Mitgliedschaft. Außer diesen 38 Veranstaltungen fanden 10 Treffen des Wirtschaftskreises und 5 des Round Table statt.
 
(Auszug aus der Broschüre zur 50Jahrfeier des Clubs am 19. Juli 2003.)
 
50 Jahre Internationaler Club La Redoute Bonn

Am 19. Juli 2003 feierte der Club in der Rotunde der Zentrale der Deutschen Telekom sein 50-jähriges Bestehen mit einem Festvortrag des Altbundespräsidenten Prof. Herzog zum Thema „Nullpunkt – Aufbruch – Umbruch“, in dem er den Wandel der Gesellschaft in den 50 Lebensjahren des Clubs magistral nachzeichnete. Beiratsmitglied Bundesminister a.D. Kinkel führte ihn mit auf langer politischer und persönlicher Beziehung beruhenden herzlichen Worten ein. Der Telekom-Vorstandsvorsitzende Ricke, Oberbürgermeisterin Dieckmann und Präsident Dr. Pabsch sprachen Grußworte; unter den 800 Zuhörern befanden sich eine große Zahl von Mitgliedern und viele Gäste aus dem politischen und kommunalen Leben des Raumes Bonn-Rhein-Sieg. Das „Ensemble van Beethoven“ umrahmte die Feier, ein großer Empfang der Telekom schloss den Festakt ab.

 

Diese in der Clubgeschichte einmalige Feier markiert das Ende der Übergangszeit nach dem Exodus des Bundes; zugleich war sie Auftakt für die neue Phase des Clubs als repräsentatives Begegnungs- und Veranstaltungsforum der Bundes- und Beethovenstadt Bonn und der Rhein-Sieg-Region. Dank der Öffnung für neue Bevölkerungskreise entwickelt er sich weiter aufwärts; die thematische Vielfalt seiner Vorträge zu aktuellen Fragen der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft, die internationale Bezüge in den Vordergrund rücken, die Qualität der Redner, seine kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen, seine Kultur- und Begegnungsreisen ins Ausland finden große Zustimmung und ziehen ständig neue Mitglieder an; z. Zt. (2007) sind es über 750, so viel wie nie zuvor. Namhafte Unternehmen des Bonner Raumes fördern den Club durch korporative Mitgliedschaften. Die Gründung eines „Juniorenkreises“ im Jahr 2001, der sich als „Young Network“ neu formiert, soll die jüngere Generation an den Club heranführen.
Das Präsidium wurde um Dr. Joachim Jacobs, früher Bundesdatenschutzbeauftragter, der Klaus Brenner als Vizepräsident ablöste, Dr. Andrea Niehaus, Direktorin des Deutschen Museums Bonn, und Oberst i. G. a.D. Hubertus v. Schönfeldt erweitert. Das Clubsekretariat, das die wachsende Mitgliederzahl betreut, monatlich 5-6 Veranstaltungen organisatorisch vorbereitet und die Finanzen verwaltet, wurde um Herbert Füsgen verstärkt. Ein „Club-Brief“, der die Mitgliedschaft über das Clubleben informiert und viermal im Jahr erscheint, wird von Felizitas Hoffmann redaktionell betreut. Auch der Beirat wurde erweitert. Er tagt zweimal im Jahr und arbeitet mit dem Präsidium bei der Gestaltung des Clubprogramms engagiert und freundschaftlich zusammen. Präsidium und Beirat sind bestrebt, den Club im Sinne seines Gründungsauftrags weiter zu entwickeln und damit einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Festigung von Ruf und Rang der Region Bonn-Rhein-Sieg als eines aufstrebenden Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts von internationaler Bedeutung und mit hoher Lebensqualität zu leisten - ad multos annos.
(s. auch Clubveranstaltungen 1999 – 2006)

 

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