Wirtschaft, Banken und Gesellschaft – was bleibt und was ändert sich

Vortrag Dr. Josef Ackermann am 13. Januar 2009 im World Conference Center Bonn
Die Bundesregierung habe in der Finanzkrise besonnen reagiert, und die Demokratie ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt – so lautete eine Schlussfolgerung, die der Vorstandvorsitzende der Deutschen Bank, Herr Dr. Josef Ackermann, in einem Vortrag über „Wirtschaft, Banken und Gesellschaft – was bleibt, und was ändert sich?“ am 13. Januar 2009 zog. Das Interesse der Club-Mitglieder und ihrer Gäste an dem Vortrag war so groß, dass dBild: Foto Klein, Bonnie Veranstaltung aus der Redoute in den früheren Plenarsaal des Bundestages verlegt werden musste ( 960 Zuhörer d. Red.). Er bot einen würdigen Rahmen für ein viele bewegendes Thema. Das Interesse galt auch einem Mann, der als Vorstandvorsitzender der größten deutschen Bank besondere Aufmerksamkeit genießt, zumal die Deutsche Bank bislang offenbar besser als andere Institute die Krise bewältigt (der hohe Jahresverlust 2008 wurde erst am nächsten Tag bekannt). In seinem Vortrag ging Herr Dr. Ackermann jedoch nur am Rande auf die Lage der Deutschen Bank ein; er erläuterte ausführlich die Genesis der Finanzkrise, die Verantwortung der Regierungen und Banken, die Folgen für die reale Wirtschaft und zog erste Lehren.
Zur Genesis verwies Herr Dr. Ackermann auf die vorangegangenen Jahre eines übergroßen Optimismus mit überbordender Liquidität, die zu einer Unterschätzung der Risiken verleiteten. Die Krise sei maßgeblich ausgelöst worden durch Banken wie die IKB, die außerhalb ihrer Bilanz riesige Beträge verbriefter Forderungen mit scheinbar guten Bewertungen der Rating-Agenturen aufgehäuft hatten in der Erwartung, sie blieben wertstabil und stets refinanzierbar. Doch ausgehend von plötzlichen Zweifeln an der Bonität der in solchen Papieren mit-eingebauten US -„subprime“- Hypothekenforderungen seien mangels Nachfrage Preise selbst für Papiere mit höchsten Ratings kollabiert, was erste staatliche Rettungsaktionen notwendig machte. Nach einer Beruhigung habe der Konkurs der bedeutenden US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 zu einemBild: Barabara Frommann, Foto-Style noch dramatischeren Angebotsüberhang, Preisverfall und Vertrauensverlust unter den Banken geführt und noch massiveren staatlichen Stützungsprogrammen.
Die Verantwortung für die Krise sei einmal bei Regierungen und Notenbanken zu suchen, die zu locker reguliert, zu großzügig beaufsichtigt und zu viel Liquidität bereitgestellt hätten. In den USA sei das sozialpolitische Bestreben hinzugekommen, auch wenig kreditwürdigen Käufern zu Hauseigentum zu verhelfen. Zum anderen treffe die Banken ein hohes Maß an Verantwortung, da sie in Verfolgung hoher Renditen und Aktienkurse den vorhandenen Spielraum zu sehr ausgeschöpft hätten. In der jetzigen globalen Vertrauenskrise sei staatliches Eingreifen zur Rettung des Finanzsystems als Notmaßnahme unvermeidbar, um die Folgen für die reale Wirtschaft einzudämmen. Schwindende Inflationsängste, massive Zinssenkungen und Konjunkturpakete sollten wirken. Sorgen bereiteten die Tendenzen zu nationalen Lösungen und protektionistische Reflexe. Die Banken ihrerseits müssten Geschäftsmodelle auf ihre langfristige Lebensfähigkeit hin bereinigen, transparenter werden, ihre Liquidität konservativer managen, das Eigenkapital erhöhen, Vergütungssysteme längerfristiger auslegen, sich weniger auf Ratings verlassen und bei Verbriefungen aus Erfahrungen lernen. In der Grundsatzdebatte um die angemessene Rolle der Märkte und des Staates gelte es, jetzt nicht in einen Staatsoptimismus zu verfallen. Nur der Marktmechanismus, gebändigt durch angemessene staatliche Regulierung und Aufsicht, produziere gesellschaftspolitisch richtige Ergebnisse.

Dr. Günter Grosche

 

 

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