Dr. Schaefer
Deutscher Botschafter in China, sprach am 05.07.2011 zum Thema: "China und Europa - Strategische Partner in einem multipolaren System"
China, China, China…..
„Ich sage nur China, China, China…..“ so hatte einst Bundeskanzler Kiesinger auf die Bedeutung Chinas hingewiesen. Heute ist China in aller Munde. Natürlich leistet auch der Internationale Club La Redoute seinen Beitrag dazu, diesen großen Partner und Global Player besser zu verstehen.
Am 5. Juli 2011 war die Reihe an Dr. Michael Schäfer, den deutschen Botschafter in Peking, unser Wissen um China zu vermehren. Er tat dies mit klaren, einfachen Worten und konzentrierte sich dabei auf Chinas innere Situation und Entwicklung sowie die deutsch-chinesischen Beziehungen. Zur chinesischen Außenpolitik konnten dann in der Diskussion noch einige Akzente gesetzt werden. Obwohl die Clubmitglieder wohl über einen höheren Kenntnisstand verfügen als der Durchschnittsdeutsche, gab es doch für viele von uns wieder erstaunliche neue Aspekte:
Die größte Stadt der Welt hat sage und schreibe 39 Millionen Einwohner und liegt in der Mitte Chinas. Sie heißt…. Ja, wie heißt sie denn? Chóngquing! Bei solcher Größe erstaunt es kaum, dass 10 chinesische Städte mehr als 10 Millionen Einwohner haben und 100 chinesische Städte größer sind als Berlin.
Die Hauptthesen des Vortrags seien hier kurz aufgezeigt:
- China ist das „Amerika des 21. Jahrhunderts.“
- Chinas rasantes Wachstum erfolgte erst in den letzten 20 bis 25 Jahren.
- Wenn es um den Machterhalt der KP geht, versteht die Führung keinen Spaß.
- Es gibt Anzeichen der Nervosität der Führung. Kein Wunder bei sage und schreibe 150.000 Protesten aller Art pro Jahr. Sie sind bislang alle von nur lokaler Bedeutung. Das Internet könnte sie jedoch verknüpfen.
- Anders als in der arabischen Welt sind die Triebkräfte der chinesischen Jugend weniger der Wunsch nach Demokratie als vielmehr das Streben nach Partizipation (z.B. bei der Gesetzgebung).
- China ist wirtschaftlich auf gute Beziehungen zur entwickelten Welt angewiesen. Als Gegengewicht gegen die USA ist Europa, insbesondere Deutschland sehr willkommen.
- Besondere Probleme sind hohe Inflation und Korruption.
- Wir, und der gesamte Westen, sollten China nicht versuchen zu isolieren, sondern zu integrieren.
- Zukunftsplanung: Es wird einen Innovationstsunami geben.
- Das bisherige Wachstum war insbesondere dem Export zu danken; nunmehr wird der Akzent auf Binnenwachstum gelegt.In der Diskussion wurden – wie könnte es im Club La Redoute anders sein? – kritische Fragen gestellt: Behandlung der Tibeter und der Moslems (Uiguren in Sinkiang), Stellung der Religion, besonders der katholischen Kirche, militärische Stärke, Befürchtungen Indiens und anderer asiatischer Nachbarn.
Fazit: Das eher optimistische Bild, das Botschafter Schäfer gezeichnet hatte, wurde partiell in Frage gestellt.
China wird uns weiter intensiv beschäftigen. Das Thema ist noch lange nicht erschöpft. (Ulrich Schöning)
